Florenz

Biene Maja in Nöten? oder: Der Streit um das Verbot von Neonikotinoiden

| Briefe aus Brüssel

Gerade jetzt im Frühling (oder sagen wir eher: nun, da er eigentlich beginnen sollte), achten wir alle wieder stärker auf die Natur um uns herum: Auf Vögel, Blumen, Knospen und auf Bienen. Wobei - ist Ihnen nicht auch aufgefallen, dass es immer weniger "summt"?

Experten sind schon seit Jahren besorgt, seit einigen Monaten nimmt aber auch die breite Öffentlichkeit immer mehr Kenntnis davon - es geht um die so genannte "Colony Collapse Disorder" (Völkerkollaps), das massive Bienensterben, bei dem die erwachsenen Bienen im Stock schlicht verschwinden. Brut, Honig und Pollen sind noch vorhanden. Was sich wie ein schlechter Horrorfilm angeht, ist eine ungeklärte Frage der Wissenschaft. Zwar gibt es viele Studien, doch wurde noch keine eindeutige Ursache gefunden. Vielleicht ist "der eine" Grund denn auch nicht zu finden, vielleicht liegt die Lösung in der Kombination von Pflanzenbehandlungsmitteln, Schädlingen, Klimaveränderungen und anderen Umwelteinflüssen, die die Bienen immer weiter schwächen, so dass ihr Abwehrsystem sie nicht mehr schützen kann? Es bleibt unklar...

Fest steht: Wir brauchen Bienen - nicht nur, weil wir gern mal ein Honigbrot zum Früh-stück essen, sondern auch zur Bestäubung. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes sind etwa 85% der Erträge im Obst- und Pflanzenanbau von den 750.000 deutschen Bienenvölkern abhängig. Eine manuelle Bestäubung, wie sie etwa in China durchgeführt wird, wo bereits so gut wie alle Bienen verschwunden sind, ist bei uns kaum denkbar. Wir brauchen Bienen also, es gibt keinen "Plan B". Und da die Bienen derzeit sterben, müssen wir handeln.

Ich berufe mich auf das Vorsorgeprinizip - dieses leitet die Politik der EU bereits seit vielen Jahren. Es gilt also: Auch wenn wir (noch) nicht hundertprozentig sicher sind, dass (allein) Pflanzenbehandlungsmittel zum Bienensterben führen, sollten wir tun, was wir können, um diesen Faktor auszuschließen. In einigen Jahren, wenn die Wissenschaft so weit ist, dass sie uns das Rätsel "Bienensterben" entschlüsseln kann, ist es vielleicht schon zu spät.

Deshalb hat die EU bereits vor einigen Jahren zahlreiche Pflanzenbehandlungsmittel verboten und strenge Bedingungen für deren Ausbringung verabschiedet. Gleichzeitig beauftragte sie ihre Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Studien zur Wirkung von Pflanzenbehandlungsmitteln auf Bienen durchzuführen.

Die Ergebnisse liegen seit Anfang des Jahres vor. Wir müssen zugeben: Sie sind nicht eindeutig, in einigen Fällen lagen nicht genügend Daten vor. Doch es zeigte sich, dass Pflanzenbehandlungsmittel mit den drei Wirkstoffen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam aus der Gruppe der Neonikotinoide, auch in Dosen die nicht den Tod zur Folge hätten, negative Wirkungen auf den Orientierungssinn der Bienen haben könnten.

Der EU-Kommission war dies Anlass genug, ein auf zwei Jahre befristetes Verbot der drei fraglichen Pflanzenbehandlungsmittel vorzuschlagen - so lange, bis weitere Studienergebnisse vorliegen. Vorerst erlaubt bleiben sollte allerdings der Einsatz der Neonikotinoide für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anziehen; es handelte sich also um einen Minimalkompromiss.

Leider scheint es nun aber so, als wenn noch nicht einmal dieser Minimalkompromiss erfolgreich sein kann. Die Mitgliedstaaten im Rat, die diesem Vorschlag zustimmen müssen, sind sich - aus unterschiedlichen Gründen - nicht einig. Zwar unterstützte die Mehrheit der Mitgliedstaaten den Vorschlag, doch enthielten sich fünf Staaten, darunter Deutschland. Damit endete die Abstimmung (aufgrund der "blockierenden Minderheit") unentschieden. Offiziell heißt es etwa von deutscher Seite, der Vorschlag ginge nicht weit genug. Der Vorwurf, dem Druck der Chemieindustrie nachgegeben zu haben, steht jedoch im Raum; schließlich steht hier viel auf dem Spiel - für alle Seiten.

Die EU-Kommission geht auf jeden Fall in Berufung. Sie muss nun innerhalb von zwei Monaten erneut versuchen, eine positive Abstimmung auf Grundlage eines nachgebesserten Vorschlags zu erreichen. Ich werde mich hier weiter engagieren und hoffe auf Ihre Unterstützung. Hoffen wir das Beste - für einen bunten Frühling und Sommer!

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