Florenz

Hat das alles überhaupt einen Sinn? oder: "Nebenwirkungen des Klimaschutzes"

| Briefe aus Brüssel

Karl-Heinz Florenz MdEP auf dem Weg nach Doha, Katar, zur UN-Klimakonferenz

Diese Woche habe ich einen sehr engen Terminkalender - so bin ich in Brüssel unter anderem Gastgeber einer Ausstellung, auf der sich der Niederrhein und seine Unternehmen hier in Brüssel präsentieren. Am Donnerstag werde ich in nach Washington, D.C. aufbrechen, wo wir im "transatlantic legislators' dialogue", einem Forum für europäische und amerikanische Abgeordnete, unter anderem über wirtschaftliche Zusammenarbeit diskutieren werden. Am Montag werde ich dann nach Doha, Katar, zur UN-Klimakonferenz aufbrechen.

Ich bin sicher, dass ich mir - zum Beispiel wenn ich auf einen Anschlussflug warte - irgendwann die Frage stellen werde: Ist es das alles wert? Machen die Klimakonferenzen überhaupt einen Sinn? Sie haben sich - wenn Sie in der Zeitung lesen oder in den Nachrichten davon hören - sicher schon einmal dieselbe Frage gestellt. Ich weiß nicht, zu welcher Antwort Sie kommen, aber ich komme immer zur gleichen: Ja, es hat einen Sinn!

Als in der letzten Woche in der Presse wieder einmal viel Negatives über "COP18" zu lesen war (wie die Konferenz im UN-Jargon genannt wird), hat Herr Prof. Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ein Interview gegeben. Das hat mich sehr beeindruckt. Zum Thema "Aussichtlosigkeit" hat er gesagt: "Beim Fußball geht man ja auch zurück aufs Spielfeld und kämpft, selbst wenn man zur Pause 2:0 zurückliegt. Das Gleiche gilt für die Klimapolitik."

Da kann ich nur zustimmen. Wir können es uns schlicht nicht leisten, aufzugeben!

Denn es geht hier nicht darum, dass die Welt morgen untergeht, wenn wir nicht handeln, aber langfristig werden doch wir mit erheblichen Problemen zu kämpfen haben, wenn wir jetzt nicht reagieren. Zugleich kann uns eine klimafreundliche und nachhaltige Entwicklung auch helfen, dass unsere begrenzten Ressourcen länger reichen. Die Effizienztechnologien, die wir für dieses Ziel entwickeln, sind zudem unsere Versicherung, dass wir auch morgen und übermorgen noch zu den wettbewerbsfähigsten und deshalb wohlhabendsten Ländern der Erde gehören werden. Sie sehen, Klimaschutz hat also sehr erfreuliche "Nebenwirkungen".

Es sieht aber auch in Bezug auf die Klimaverhandlungen selbst nicht allzu schlecht aus - und zwar exakt wegen der angesprochenen Nebenwirkungen.

Letztes Jahr, auf der Klimakonferenz in Durban, Südafrika, hat es einen Durchbruch gegeben. Zum ersten Mal haben sich alle Parteien darauf geeinigt, dass es ab 2020 ein globales Klimaabkommen geben soll. Zum ersten Mal ziehen alle an einem Strang - weil sie erkannt haben, dass es Sinn macht, und zwar nicht nur aus ökologischer, sondern vor allem auch aus ökonomischer Sicht.

Die Staaten wollen allerdings einen neuen Anfang und nicht aufbauen auf dem "alten" Kyoto-Abkommen, das die Welt in zwei Teile teilt. Ich stimme ihnen zu. Kyoto, das ist eine Zweiteilung der Welt in Industrieländer einerseits und Entwicklungsländer andererseits. Und so einfach ist die Lage heute nicht mehr. Wenn wir uns zum Beispiel Brasilien anschauen, nach Kyoto ein Entwicklungsland ohne Reduktionsverpflichtungen, hat es ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als Rumänien oder Bulgarien. Und Länder wie Singapur, Südkorea und China auf das gleiche Niveau mit Drittweltstaaten wie Somalia oder Burkina Faso zu setzen, scheint mir nicht sinnvoll zu sein.

Deshalb ist der Neuanfang, die "Durban Platform" so wichtig. Sie will der Zweiteilung der Welt ein Ende setzen und alle Staaten "unter einem Dach" vereinen. Und dies hat sicher einen Sinn, meinen Sie nicht auch?

 

 

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