Florenz

Der EU-Binnenmarkt - eine Erfolgsgeschichte

Neukirchen-Vluyn |

Bedeutung des Binnenmarkts für den Niederrhein

Der Niederrhein liegt genau im Herzen Europas, und dies nicht nur geografisch. Als Grenzregion leben wir die europäische Idee jeden Tag, wenn auch ohne jeden Pathos, sondern als normalen Teil unserer Lebenswirklichkeit. Viele Menschen sind mehrsprachig, der Grenzübertritt zum Einkaufen, zur Arbeit, zum Schlendern oder Feiern gehört zum Alltag. Vor weniger als zwei Generationen waren die Annehmlichkeiten, die die sogenannten vier Grundfreiheiten der Europäischen Union mit sich bringen aber keine Selbstverständlichkeit, sondern weitgehend undenkbar.

Waren wurden an der Grenze darauf kontrolliert, ob sie den nationalen Verbraucher- und Gesundheitsschutzvorgaben entsprachen. Reisende mussten ihre Pässe vorzeigen und unter Umständen mit langen Wartezeiten rechnen. Wer im Nachbarland studieren wollte, brauchte eine Aufenthaltsgenehmigung. Ein Arbeitsplatz konnte höchstens im eigenen Heimatland frei gewählt werden, aber keinesfalls im Ausland. Auch Unternehmen hatten mit großen Hürden zu kämpfen, wenn sie Waren oder Dienstleistungen über die Grenzen hinweg anbieten wollten.

All dies gehört heute der grauen Vergangenheit an – und zwar seit 25 Jahren mit der Schaffung des Binnenmarktes. Gott sei Dank. Grundlage des Binnenmarkts ist die Zollunion, mit der Zölle zwischen den EU-Mitgliedsstaaten abgeschafft wurden. Die Verbraucher können sich dadurch über breite Angebote und niedrige Preise freuen, und Unternehmen über neue Absatzmärkte. Eine Arbeit oder eine Ausbildungsstelle im Ausland aufzunehmen ist heute genauso einfach wie in Deutschland. Diese Möglichkeiten sind allesamt Ausfluss der vier Grundfreiheiten, die den freien Verkehr von Personen, Waren, Kapital und Dienstleistungen in der EU garantieren und die wiederum den europäischen Binnenmarkt ausmachen.

Grundlage des Binnenmarktes war keinesfalls Gleichmacherei, wie sie der EU gerne vorgeworfen wird. Man verständigte sich vielmehr darauf, die Standards der Nachbarländer als gleichwertig anzuerkennen und die Vorschriften nur dort zu harmonisieren, wo dies einen handfesten Nutzen versprach.

Global gesehen hat der Binnenmarkt durch die verstärkte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten die wirtschaftliche und politische Integration in der EU maßgeblich gefördert. Gerade wir am Niederrhein profitieren durch die Grenzlage in ganz besonderem Maße vom Binnenmarkt, er sichert uns Wohlstand und Arbeitsplätze.

Leider nur verkennen wir häufig den Mehrwert Europas, weil wir die Früchte längst gewohnt sind und als selbstverständlich ansehen. Es ist aber zu spät, den Wert erst zu erkennen, wenn er verloren ist. In Großbritannien wirft allein der drohende Austritt aus dem Binnenmarkt bereits jetzt seine dunklen Schatten voraus. Im ganzen Land herrscht ein Investitionsstopp, Unternehmen stellen nicht mehr ein, manch internationale Konzerne erwägen gar schon abzuwandern und ihren Sitz in einen anderen EU-Mitgliedstaat zu verlegen.

Ich möchte daher sehr dafür werben, dass wir uns die enormen Vorzüge der Europäischen Union, die uns Frieden, Freiheit und Wohlstand brachte, wieder vergegenwärtigen. Ich bekenne mich zu Europa und zum Binnenmarkt und bin dankbar in der sichersten und wohlhabendsten Epoche leben zu dürfen, die es in Deutschland und Europa jemals gab.

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